30. April 2014

Regionales rund um die Uhr

Sonntagnachmittag Lust auf ein Grillfest, aber kein Salat mehr im Haus? In Heidelberg gibt es für solche Herausforderungen eine Lösung. Den Regiomat. Ein Artikel von Kristina Pezzei

Der Automat steht vor dem Hofladen der Gärtnerei Lenz im Handschuhsheimer Feld, einem immensen Gartenanbaugebiet am Rande der Stadt. Er ist mit Eiern, Erdbeeren, Äpfeln bestückt und allem, was die Gärtnerei oder umliegende Betriebe sonst gerade ernten. „Hoch im Kurs stehen in der Regel saisonale Waren – also jetzt die Erdbeeren, die Salate und später die anderen Beeren“, sagt Gerhard Lenz. Der 46 Jahre alte Gärtnermeister und sein Team kontrollieren die Waren jeden Morgen und füllen bei Bedarf nach. So bleibt die Ware stets frisch – bei einer Temperatur von fünf Grad übersteht sie auch die heißen Tage im Rhein-Neckar-Tal.


Die Idee, die Erzeugnisse seines knapp fünf Hektar großen Betriebes umfangreicher als nur im Hofladen und auf Wochenmärkten anzubieten, kam ihm schon vor ein paar Jahren. „Meine Frau und ich haben oft gedacht: Wenn wir Lust auf Grillen haben, gehen wir einfach ins Kühlhaus rüber und holen uns einen Salat. Andere können das nicht“, erzählt der jugendlich wirkende, dank der Feldarbeit braun gebrannte Mann. Zunächst stellte er einen Kühlschrank vor den Hofladen, den er regelmäßig bestückte. Kunden sollten das Geld für die Waren in eine Selbstkasse werfen, ähnlich wie beim Blumenschneiden auf dem Feld. „Als wir dann einmal verglichen haben, was an Produkten weg war und wie viel Geld in der Kasse, sind wir erschrocken“, sagt die 44jährige Birgit Lenz. „Es war nur die Hälfte bezahlt worden.“


Anstatt das Projekt einzustellen und sich auf die klassischen Vertriebswege zu konzentrieren, hörte sich das Paar bei Kollegen um. Es wurde auf einen Metzger aufmerksam, der Wurst in einem ähnlichen Automaten verkauft. Seit dem vergangenen Jahr steht nun ein Regiomat vor dem Hofladen Lenz. Das Familienunternehmen hat ihn geleast, so bleibt das Risiko überschaubar. Derzeit nimmt die Gärtnerei etwa 250 Euro pro Woche auf diesem Weg ein.


Attraktiv werde er vor allem am Wochenende, aber auch nach Geschäftsschluss des Hofladens, sagt der dreifache Familienvater. Er beobachtet immer wieder Menschen, die abends „durch’s Feld“ spazieren und sich spontan etwas mitnähmen. Andere kommen gezielt mit dem Auto und ziehen sich ihre Äpfel. Zudem ergeben sich Rückbeziehungen: Die Heidelberger, die auf den Regiomaten aufmerksam wurden, schauen sich später auch einmal den Hofladen an oder kaufen gezielt beim Stand der Gärtnerei auf einem der Wochenmärkte. „Wir erhalten viele positive Rückmeldungen auch von Stammkunden“, ergänzt Birgit Lenz. Der Regiomat stärkt so die Kundenbindung.

Die Preise entsprechen denen im Laden – der Sechserpack Eier kostet 2,50 Euro, das Kilo Äpfel 2 Euro, Salat und Erdbeeren je nach Saison. Und wer kein Essig und Öl mehr Zuhause hat: Dressing gibt es auch im Regiomat.

Wo? Gärtnerei Lenz im Handschuhsheimer Feld, Gewann Fischpfad 4, 69121 Heidelberg, www.gärtnerei-lenz.de
Wann? 24 Stunden
Was? Je nach Saison Obst und Gemüse. Eier. Selbstgekochte Marmelade, Schafskäse, Salatdressing.

Kristina Pezzei