16. März 2016

Kulturland Genossenschaft - Sicherung von Bio-Wirtschaftsflächen

Die Kulturland eG stellt sich vor

Die Kulturland eG: Dein Land für Morgen!


Die 2013 gegründete Kulturland-Genossenschaft mit Sitz im wendländischen Hitzacker ist angetreten, um Biobauern bei der Sicherung ihrer Wirtschaftsflächen zu helfen. Denn seit Ausbruch der Weltwirtschaftskrise 2008 entwickeln sich die Grundstückspreise hierzulande steil nach oben - Boden geht nicht mehr an Bauern, sondern an Geldanleger. Biobauern können da nicht mehr mithalten, insbesondere solche, die auf Regionalität setzen.
Wohl dem, der Freunde hat! Kunden, Freunde und UnterstützerInnen werden Mitglied der Kulturland eG, legen ihr Geld in Genossenschaftsanteilen zusammen und kaufen das Land für den Bauer, der es dann unbefristet nutzen kann. Was wie ein gruppendynamisches Abenteuer klingt, ist in der Praxis ganz einfach. Die eG-Anteile à 500 € sind (nach einem Mindestbehalt von fünf Jahren) jährlich kündbar. Die Genossenschaft übernimmt für den Bauern den Papierkram und die nötige Kommunikation – sie kümmert sich darum, dass die Genossen laufen mit Neuigkeiten vom Hof versorgt werden.
Aktuell (Stand März 2016) arbeiten inzwischen sieben Betriebe mit der Kulturland eG zusammen und haben dadurch mehr oder weniger umfangreiche Betriebsflächen gesichert – und sich damit auch jeweils einen neuen sozialen Umkreis aufgebaut, der sich an der Betriebsentwicklung beteiligt. Hier ein kleiner Überblick.
Wie es anfing
Eine konkrete Notlage auf dem Heggelbachhof am Bodensee, einer großen Demeter-Betriebsgemeinschaft, gab den Anstoß zur Entwicklung unserer Genossenschaft. Bauer Thomas Schmid musste 15 ha bestes Ackerland vom Verpächter kurzfristig kaufen, um die Fläche nicht an konventionelle Investoren zu verlieren. Es war klar, dass die dafür eben mal nötige halbe Million Euro eine Verschuldung nach sich ziehen würde, die betriebswirtschaftlich nicht zu verantworten war. Doch statt die Segel zu streichen, kaufte er das Land vorübergehend mit einer Zwischenfinanzierung der Hausbank und entwickelte mit einem Kreis befreundeter Berater, Banker und Unterstützer die Kulturland eG als neuartigen Eigentumsträger, um die zwischengeparkte Fläche dann auf die neu gegründete Genossenschaft zu übertragen.
Auf dem Land wird eine bunte Abwechslung von Kleegras, Getreide und Marktfrüchten angebaut, die sich in der Fruchtfolge auch mit Feldgemüse wie Sellerie und Pastinaken abwechseln. Der Heggelbachhof beliefert die nähere und weitere Umgebung des Bodenseeraums mit Milch und Käse aus der hofeigenen Molkerei, mit Getreide, Fleisch, Gemüse und fast allem, was ein vielseitiger Hof hervorbringen kann. Nebenbei werden Naturschutzflächen und Streuobstwiesen gepflegt, und Schulklassen sind regelmäßig für Landbaupraktika zu Gast.
Gleich danach kam eine Anfrage vom Luzernenhof bei Freiburg. Fünf junge Leute hatten einen traditionsreichen 30 ha Bio-Familienbetrieb gepachtet. Wenig später musste die Eigentümerin dann aber Land und Gebäude verkaufen. Der hoffnungsvolle Neuanfang stand vor dem Aus, denn das mitgebrachte Eigenkapital reichte nur für Maschinen und Kühe. Land und Hofstelle sollten zusammen eine dreiviertel Million Euro kosten.
Aber die jungen Leute hatten sich inzwischen eine Solawi-Vermarktung aufgebaut und einen KonsumentInnenkreis um den Hof geschart, der als Keimzelle für ein gemeinschaftliches Eigentumskonzept dienen konnte – eine „neue Allmende“. Eine vermögende Privatperson in Freiburg ließ sich von dem Konzept begeistern und stellte unter der Bedingung, innerhalb der nächsten Jahre eine breite Eigentumsbasis zu schaffen, eine zinslose Vorfinanzierung des Landkaufs zur Verfügung. Die Kulturland eG übernahm die Rolle des Eigentumsträgers. KundInnen und Freunde zeichnen nun allmählich Genossenschaftsanteile und bringen so das Kapital für Land, Hof und Gebäude zusammen – wobei die Gebäude noch mal über ein Erbbaurecht vom Land getrennt und in das gemeinschaftliche Eigentum der Bauern übertragen wurden, die ihrerseits nun noch das Freiburger Mietshäuser-Syndikat als Miteigentümer gewinnen wollen, das den dauerhaften Bestand sozialer Wohnprojekte absichert.
Nachdem wir den Luzernenhof mit dieser zugegeben komplizierten Konstruktion im November 2014 schließlich für die Zukunft gesichert hatten, pflanzten die Bauern als erstes eine lange Nussbaumreihe in der ausgeräumten Landschaft der Rheinebene – was sie als Pächter noch nicht durften.
Höfe im Westen, Norden und Osten
Das nächste Projekt, ganz anders gelagert, war der Schnee-Eifel-Hof unweit der belgischen Grenze: ein großer, gut laufender Mehrgenerationen-Familienbetrieb, in dem sich auch schon die vier Jungs für die Landwirtschaft begeistern. Neben einer großen Milchviehherde im selbstgebauten Stall, natürlich mit Hörnern, bewirtschaftet der Hof umfangreiche Naturschutzflächen in mehreren umliegenden Bachtälchen. Mit dieser Landschaftspflege erbringt der Schnee-Eifel-Hof über die Lebensmittelerzeugung hinaus wertvolle Zusatzleistungen für seine Region. Außerdem sind übers Jahr viele Kinder und Eltern aus den Ballungszentren in den reetgedeckten Ferienhäuschen des Hofes zu Gast, von wo aus sie die Landschaft erkunden und beim Melken zuschauen können: ein offener Hof mit Tieren zum Anfassen – auch dies eine weitere Leistung für die Region.
Dann kam eine Anfrage aus dem Norden: Hof Lütjen, einer der ältesten Demeter-Betriebe Norddeutschlands, konnte 6 ha Moorgünland mit einem malerischen Feldgehölz kaufen. Mit der Überführung auf die Kulturland eG konnten wir auch einen möglichen Torfabbau verhindern. Hof Lütjen und die kooperierende Gärtnerei Kronacker versorgen Bremen „und Umzu“, wie man dort sagt, mit vielseitigem Gemüse in Abokisten, mit Eiern und mit hofabgefüllter Trinkmilch in Tetrapacks – was uns die Gelegenheit gibt, die Rückseite der Milchtüten in Zusammenarbeit mit dem Regionalgroßhändler NaturkostKontor als Werbefläche für unser Landkaufprojekt zu gestalten. Wir sind gespannt, was diese Aktion bringen wird.
Aus dem Oderbruch im Osten Brandenburg, nahe der polnischen Grenze, erreichte uns die nächste Anfrage: der CSA-Hof Basta hatte die Möglichkeit, seine kompletten 9 ha Gemüsebauflächen von der BVVG zu übernehmen und damit das Projekt langfristig abzusichern. Mit Hilfe ihrer 300köpfigen Berliner „Gemüsegemeinschaft“ gelang es den jungen Leuten, innerhalb weniger Monate über die Hälfte der nötigen Genossenschaftsanteile für den Landkauf einzusammeln, so dass das Land mit Hilfe einer ergänzenden Zwischenfinanzierung gekauft und damit eine landwirtschaftliche Berufsperspektive für fünf junge QuereinsteigerInnen langfristig gesichert werden konnte. Und auch Basta macht sich in besonderer Weise um die Region verdient – z.B. mit Heckenpflanzungen für den Naturschutz, aber auch mit Hofführungen und Kulturveranstaltungen zu Landwirtschafts- und Ernährungsthemen.
Die jüngsten Projekte
Mit Hof Stedebach bei Marburg in Hessen konnten wir einen enorm schnell umgesetzten Landkauf realisieren: nur fünf Tage vergingen zwischen erster Anfrage und Notartermin. (Zum Glück hatten wir uns Monate vorher schon bei einem Hofbesuch kennengelernt…)
Die Bauern Joachim und Thea Gabriel sind Biopioniere der ersten Stunde: Selbst Quereinsteiger, konnten sie in den 1980er Jahren mit Hilfe von Freunden eine leerstehende Hofstelle in gemeinnütziges Vereinseigentum überführen und den Hof zunächst mit Direktvermarktung und Milchverarbeitung, dann über Bioläden und den Großhandel zu einem stattlichen Demeter-Betrieb entwickeln. Auch hier werden viele Naturschutzflächen gepflegt und Streuobstwiesen angepflanzt, zudem arbeitet der Hof mit Schulen und anderen Bildungsträgern zusammen, um gerade den Kindern die Landwirtschaft näher zu bringen. Die neueste Entwicklung geht wieder zurück zu den Wurzeln: Für die CSA Marburg hat der Hof 2015 begonnen, Gemüse anzubauen.
Unser jüngstes Projekt führt geographisch wieder zu den Anfängen zurück: Unweit der Schweizer Grenze dem Südschwarzwald konnten wir für den Bioland-Hof Gasswies 6 ha Äcker und Wiesen von einem Verpächter erwerben. Fredi und Silvia Rutschmann sind gleichermaßen begeisterte Landwirte wie Naturschützer und haben für ihr innovatives System der muttergebundenen Kälberaufzucht, aber auch für die extensive und vielseitige Bewirtschaftung ihrer Äcker und Weiden 2015 den Bundespreis Ökolandbau gewonnen. Bewusst belassen sie ihren Fleckvieh-Kühen ihre kraftvoll geschwungenen Hörner und geben ihnen im Stall mehr Platz und beim Melken mehr Zeit, um die tiergemäße Rangordnung in der Herde nicht zu stören. Der Landkreis zahlt ihnen freiwillig eine kleine Unterstützung dafür, dass sie auf künstliche Besamung verzichten und einen Deckbullen halten.
Neben einem enorm vielseitigen Ackerbau z.B. mit Emmer, Sojabohnen-Anbau für den Tofuhersteller Taifun in Freiburg und Saatgutvermehrung für die Bio-Sortenzüchter Peter Kunz und Sativa AG in der Schweiz betreiben sie umfangreichen Obstbau auf Streuobstwiesen. Was nicht als Frischobst verkauft wird, wandert in die kleine Hofbrennerei, in der im Winter eigene Obstbrände destilliert werden. Als zertifizierter „Lernort Bauernhof“ begrüsst Hof Gasswies jährlich zahlreiche Schulklassen.
Zukunftsperspektiven
Im Zusammenwirken mit der Kulturland eG machen unsere Höfe deutlich, wie unterschiedlich und kreativ Biobetriebe in ihr soziales und regionales Umfeld eingebunden sein können. Denn Naturschutz und Landschaftspflege, Nahversorgung oder Bauernhofpädagogik, Landwirtschaft zum Anfassen oder der Zugang zu Grund und Boden – das alles lässt sich nicht am Weltmarkt kaufen. Es sind diese gesellschaftlichen Zusatzleistungen, die unsere Höfe unverzichtbar für ihre Region machen. Mit unserer Arbeit wollen wir das aufzeigen und unterstützen.
Natürlich sind wir laufend mit weiteren Höfen im Gespräch. Mit den bisherigen 7 Höfen haben wir 50 ha Land im Wert von 1,4 Mio. € erworben Als Etappenziel hoffen wir bis 2018 mit 50 Höfen zusammenzuarbeiten und 500 ha Land gesichert zu haben.
Die Kulturland eG ist angetreten, um jeder Bürgerin, Groß und Klein, die Möglichkeit zu geben, ihre statistischen 2.000 m² Land einem solchen Hof zukommen zu lassen und für die nachkommenden Generationen zu bewahren. Beteiligen kann man sich ab 500 €. Die Genossenschaftsanteile werden nicht verzinst und sind auf Wunsch jährlich kündbar.

Weitere Infos gibt es auf der Internetseite,

bei Facebook: www.facebook.com/kulturlandgenossenschaft oder unter Telefon 05862 – 9411033. 

Am besten gleich Beitrittsunterlagen herunterladen: Dein Land für Morgen!